without inner change……
Without inner change
, there will be no outer change,
without collective change
,
no change matters.
– rev angel Kyodo williams
Kleinstadt. Ostdeutsch. Die Wände dünn. Die Gesichter verschlossen. Alles hallte dort – Stimmen, Schritte, Schläge. Schon früh einen Namen erhalten: schwer erziehbar.
Körper, als einen Ort abspeichern, in dem sich Dinge einschreiben, die man nicht eingeladen hat.
Die Familie. Die Baseballschlägerjahre. Die Nachbarn. Die wegschauten, wenn die Nazis zuschlugen.
Körper, als einen Ort abspeichern, in dem sich Dinge einschreiben, die man nicht eingeladen hat.
Mit 14 fort. Punk. Rebellion. Hausbesetzungen. Erste Freiheitsgefühle am Lagerfeuer. Dann Berlin. Demonstrationen. Alte besetzte Häuser. Die Nazigewalt wurde weniger. Die Polizeigewalt eine Weile lang mehr.
Bis ich zwanzig war, hatte ich einiges an Gepäck angesammelt.
Später erst würde ich verstehen:
Das war keine Abfolge, wo etwas zurückbleibt sondern Schicht auf Schicht. Schichten,
die mein Körper speichert und erinnert, und sich mit ihnen in die Zukunft formt.
Mit 30 Jahren an der Kunsthochschule anfangen. Mit Hauptschulabschluss. Weiße Räume, in denen sich die meisten sehr selbstsicher zu bewegen schienen. Sie kannten die Wörter aus dem akademischen Kunstdiskurs. Ich lernte heimlich ein neues Wort: (Klassen)Scham. Und praktizierte: permanentes an der Ordnung scheitern.
Dazu, über Jahre zu viel Körperanspannung, unterdrückte Wut und Verletzung und knirschender Kiefer.
Irgendwann war es dann soweit. Zusammenbruch häufte sich auf Zusammenbruch. Sie schmiegten sich an alte Geschichten und Traumata. Bildeten Masse. Die ließ mich sinken.
Ich wurde "chronisch krank". Mit Schmerzen. Blockiert. Für eine sehr lange Zeit.
Ich suchte Hilfe. Orientierung. Menschen, die verstehen.
In den politischen Kreisen, in denen ich mich bewegte, gab es viel Engagement. Wir kämpften gegen Unterdrückung, Ausbeutung, Diskriminierung.
Aber es gab wenig Raum für Fragen: Was machen diese Kämpfe mit uns? Wie prägt uns die Gewalt, nimmt auch zwischen uns Platz ein? Wie werden die äußeren Konflikte zu inneren?
Stattdessen: Reiß dich zusammen, mach weiter. Als müssten wir unsere Verletzlichkeit ablegen, um stark zu sein.
Und das therapeutische Angebot? Die sahen etwas, das repariert werden musste. Machten mich zum Problem. Einzelfall, Störung, Pillen schlucken und funktionieren. Ihre Interpretationen von mir - als negative Symptomcollagen in ihren Diagnoseberichten - ließen mich noch depressiver zurück.
Ich scheiterte an allem. Gedanken setzten sich fest: Mit mir stimmt etwas nicht. Ich glaub, ich bin kaputt.
Irgendwann stieß ich auf andere Stimmen.
Sie sagten: Du bist nicht "kaputt". Die Verhältnisse haben sich in dich eingeschrieben. Sie bauten Brücken zwischen dem Persönlichen und dem Strukturellen. Sie boten Sprache für Erfahrungen, für die ich keine Worte hatte. Und sie suchen nach neuen Wegen – aus der Lähmung in die Bewegung.
Rev. angel Kyodo Williams ist eine dieser Stimmen. Aktivist*in, Zen-teacher, Schwarz, Queer – und radikal in dem Sinne, dass sie an die Wurzel geht.
Seit über zwanzig Jahren arbeitet Rev an dem, was sie Transformative Social Change nennt.
Sie sagt: Systeme wie Kapitalismus, Patriarchat, white supremacy werden wir nicht abbauen, wenn wir nicht unsere eigenen Verstrickungen und Beschädigungen darin erkennen.
Tiefgehende Befreiungs- und Veränderungsarbeit braucht, dass wir unsere Wunden, unsere Vorurteile und inneren Verhärtungen anschauen. Und die Muster erkennen, mit denen wir Gewalt weitertragen, auch wenn wir es nicht wollen.
Innerer und äußerer Wandel bedingen sich gegenseitig.
Achtsamkeit und Empathie sind revolutionäre Praktiken.
Nicht nur unsere Gedanken, sondern auch unsere alltäglichen Handlungen, unsere Körper, unsere Gefühle müssen in befreiende Praktiken einbezogen werden. Für die Wunden zwischen uns – persönlich, kollektiv, intergenerational – brauchen wir aktive Heilungsarbeit.
Dafür braucht es Räume, in denen wir Neues ausprobieren können. Räume, in denen wir anfangen können, ohne perfekt zu sein. In denen Unsicherheiten und Scheitern eingeladen sind als Lernfeld für befreiende Wege in die Veränderung.
Rev. angel Kyodo Williams' Arbeit wurde zu einer wichtigen Quelle für meine eigenen Veränderungen und für die Art und Weise, wie ich mich durch die Welt bewegen möchte.
Wenn wir uns dem Schmerz stellen, statt ihn zu verdrängen. Wenn wir achtsamer werden – uns selbst gegenüber und dem, was um uns herum geschieht. Wenn wir Räume schaffen, in denen wir gemeinsam lernen können, präsent zu sein mit allem, was ist.
In Revs Ansatz geht es nicht um die große Schlacht oder die große Erleuchtung. Sondern um einen Weg der kleinen Schritte, der alltäglichen Praxis. In Momenten, in denen die Größe der Krisen mich überfordert, erinnert ihre Arbeit mich: Veränderung ist möglich. Wir können immer wieder neu anfangen. Mit jedem Atemzug.
Die Bewegung der alltäglichen kleinen Schritte aufnehmen. Die zu einem Weg werden durch Tasten. Aufmerksamer werden. Still werden. Lauschen. Fragen. Ein Weg voller Versuche.
Nicht bequem. Aber einer, der mich lebendiger werden lässt. Der mich lehrt zu untersuchen, zu erkennen, anzunehmen – mit all Widersprüchen. Ein Weg der in tiefen Kontakt geht: mit mir selbst, mit dir, mit uns, mit unseren Welten.
Veränderung beginnt oft mit einer Erkundung.
Wie haben sich die gesellschaftlichen Verhältnisse eingeschrieben? In den Körper. In die Art, wie ich denke. Wie ich reagiere. Wie wir denken. Wie wir reagieren. Was ich zu träumen wage. Was du zu träumen wagst. Was wir zu leben wagen
Und bewegt sich von dort aus weiter
Mit ich. Mit du. Mit wir.
Selbstveränderung und Veränderung der Umstände.
Sie gehen Hand in Hand. Sie waren nie getrennt.
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Homepage Rev angel Kyodo williams
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Beeing black - Zen and the Art of Living With Fearlessness and Grace
Radical Dharma: Talking Race, Love, and Liberation
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a simple practice of liberation.
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