the~zone
Video, 18min
Jahr: 2019
the ~zone
Subject and the beast No. 6 / Fiona
2014
Videoperformance
Video 16:9 / 12.36 min
Vor diesem Spiegel macht sich der zumeist als weiblich beschriebene Anteil
der Hochschule für Grafik und Buchkunst zurecht für den Gang ins Außen.
In einer Damentoilette.
Im Erdgeschoss. Gleich rechts.
Routiniert.
Der Kontakt. Das Gegenüber.
Lippen. Augen. Haare.
Legen. - schieben was nicht richtig sitzt.
Streichen.
Zupfen.
Ordnen.
Bild.
Er Sie Es
trägt Wunde.
Foto:R.Eulenberger / Foto:Videostill, Mano Krach
Diskursloch
Diskursloch
Videoinstallation /2012
_____________________________________
21 min / in 4 Abschnitten / Loop
5 Kanal Video Röhrenmonitore
2 Kanal Audio
Kanal 1 - Megaphon - Sprachsequenzen
Kanal 2 - Sound - Lautsprecherboxen zum Sitzen mit Kontakt-Lautsprecher für Vibration
schwaches Rotes Licht und Dunkelheit
Baubo
Es gibt eine Geschichte aus der griechischen Mythologie, die selten erzählt wird. Eie Geschichte über eine Geste, die heute als obszön gelten würde, die einst als “heilig” galt – als lebensspendend, als kraftvoll genug, um die Welt vor dem Untergang zu retten.
Die Geschichte beginnt mit Trauer.
-
Es gibt eine Geschichte aus der griechischen Mythologie, die selten erzählt wird. Eine Geschichte über eine Geste, die heute als obszön gelten würde, die aber einmal als "heilig" galt – als lebensspendend, als kraftvoll genug, um die Welt vor dem Untergang zu retten.
Die Geschichte beginnt mit Trauer. Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit und des Getreides, hat ihre Tochter Persephone verloren. Hades, der Gott der Unterwelt, hat sie entführt. Demeter ist in ihrer Verzweiflung so tief versunken, dass sie alles Leben von der Erde zurückzieht. Die Felder verdorren, nichts wächst mehr, die Menschen hungern.
Schließlich kommt Demeter nach Eleusis. Dort nimmt eine Frau namens Baubo sie auf. Baubo versucht alles, um die Göttin zu trösten – doch Demeter will nichts trinken, nichts essen. Keine Worte können sie erreichen. Da greift Baubo zu einem anderen Mittel: Sie hebt ihr Kleid und entblößt ihre Vulva vor der Göttin. Und Demeter lacht. Zum ersten Mal seit dem Verschwinden ihrer Tochter lacht sie. Und mit diesem Lachen wird auch die Erde wieder fruchtbar.
Das rituelle Entblößen der Vulva – Anasyrma genannt – findet sich in vielen Mythologien. Weitere Beispiele: In Ägypten hebt die Göttin Hathor ihr Kleid vor dem Sonnengott Re. In Japan vollführt Ame-no-Uzume eine ähnliche Geste vor der Sonnengöttin Amaterasu. Immer dasselbe Muster: Eine Krisensituation, und eine Figur, die durch das Zeigen ihrer Vulva Lachen und Lebendigkeit zurückbringt.
Die Geste ist nicht pornographisch. Sie ist heilsam. Sie ist eine therapeutische Intervention: Demeter ist erstarrt in ihrer Trauer, gefangen. Baubo holt sie mit einer völlig unerwarteten, absurden Geste heraus – durch Überraschung, zurück ins Leben, ins Lachen, ins Hier und Jetzt.
-
Performanceprojekt 'speculative bitches'
Das Projekt “speculative bitches” von Nuray Demir von 2019 war ein feministisches performatives Archiv gegen das Vergessen.
Es wurden vergessene mythologische Frauenfiguren untersucht und performativ wieder aufgerufen.
Ich war für Video und die visuellen Recherchen zuständig. Das Team arbeitete mit verschiedenen weiblichen Göttinnen wie Baubo, Kali, Gorgo und Isis sowie mit zeitgenössischen Bezügen zu diesen Figuren.
Was in unserer Arbeit sichtbar wurde: eine Entwicklung über Jahrtausende. Von den prähistorischen Venus-Figuren – 25.000 Jahre alt, üppig, mit betonten Vulven – über die breitbeinige Baubo, die aktiv-aggressive Gorgo oder Kali, die schöpferische Isis, hin zu zarten Marias.
Das Video ist eine visuelle Skizze aus dieser Arbeitszeit – ein kleines Fotoalbum unserer Vorfahrinnen. Geschichten von Vielfalt und Einschränkung, von expandierenden Körpern und welchen, die schmaler werden müssen.
Über das, was oft so selbstverständlich scheint, und doch nie war.
Über "vergessene" Familienbilder. Upps!
Über verrufene Tanten und ihre obszönen Verwandschaften.
Und vielleicht, beim Anschauen, wird es auch zu einem Portrait von uns allen. Unseren Familienbildern. Unseren verrufenen Verwandten.
Buchempfehlung
Mithu M. Sanyal: "Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts" (Wagenbach, Berlin 2009)
Fotos - visuelle Skizzen und Bühnenansicht / speculative bitches / Hau Berlin / 2019
Baubo
There is a story from Greek mythology that is rarely told. A story about a gesture that today would be considered obscene, but was once regarded as sacred – as life-giving, as powerful enough to save the world from ruin.
The story begins with grief.
-
Demeter, goddess of fertility and grain, has lost her daughter Persephone. Hades, god of the underworld, has abducted her. Demeter sinks so deep into despair that she withdraws all life from the earth. The fields wither, nothing grows, the people starve.
Eventually Demeter arrives in Eleusis. There, a woman named Baubo takes her in. Baubo tries everything to comfort the goddess – but Demeter refuses to drink, refuses to eat. No words can reach her. So Baubo resorts to something else: she lifts her dress and exposes her vulva before the goddess. And Demeter laughs. For the first time since her daughter's disappearance, she laughs. And with that laughter, the earth becomes fertile again.
The ritual exposure of the vulva – called Anasyrma – appears across many mythologies. In Egypt, the goddess Hathor lifts her dress before the sun god Re. In Japan, Ame-no-Uzume performs a similar gesture before the sun goddess Amaterasu. Always the same pattern: a moment of crisis, and a figure who brings back laughter and aliveness by showing her vulva.
The gesture is not pornographic. It is healing. It is a therapeutic intervention: Demeter is frozen in grief, trapped. Baubo pulls her back – through surprise, through the utterly unexpected and absurd – back into life, into laughter, into the here and now.
-
Performance Project speculative bitches
speculative bitches was a feminist performative archive against forgetting, created by Nuray Demir in 2019.
The project investigated forgotten mythological female figures and called them back through performance. I was responsible for video and visual research. The team worked with various female deities – Baubo, Kali, Gorgo, Isis – alongside contemporary references to these figures.
What became visible in our work was a development spanning millennia. From the prehistoric Venus figurines – 25,000 years old, voluptuous, with emphasized vulvas – through the wide-legged Baubo, the actively aggressive Gorgo and Kali, the creative Isis, all the way to delicate Madonnas.
The video is a visual sketch from that period of work – a small photo album of our ancestors. Stories of diversity and constraint, of bodies that expand and bodies that are made to become smaller.
About what so often seems self-evident, and yet never was.
About "forgotten" family portraits. Oops.
About disreputable aunts and their obscene kinships.
And perhaps, in the watching, it becomes a portrait of all of us. Our family albums. Our scandalous relatives.
Buchempfehlung
Mithu M. Sanyal: "Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts" (Wagenbach, Berlin 2009)